Zur Geschichte von Sieversdorf

 

 

Das Dorf Sieversdorf wird erstmalig erwähnt in einer Urkunde vom 20. März 1334 als Ort Syuerdestorp. Damals gehörte das Dorf zur Stadt Wusterhausen und die wiederum zu Ruppin. Da aus der Urkunde hervorgeht, dass der Ort vormals dem Kurfürsten von Brandenburg gehörte, ist anzunehmen, das Sieversdorf eigentlich älter ist. Es ist wohl nach der Besitzergreifung Albrecht des Bären (1147) entstanden und damit deutschen Ursprungs.

 

Das älteste Bauernverzeichnis von 1491 weist 20 Bauern in Sieversdorf aus. Am Rande des ausgedehnten Luchgebietes von Rhin, Dosse und Jäglitz gelegen war der Ort seit jeher von Landwirtschaft und Viehhaltung geprägt. Er bestand damals aus zwei Dörfern, Groß-Sieversdorf im Süden und Klein-Sieversdorf im Norden. Die Kirche und das Pfarrhaus befanden sich im Kleinen Dorf oder auch kleinen Ende von Sieversdorf. Im Jahre 1874 wurden Groß- und Klein-Sieversdorf zusammengelegt.

 

Während des Dreißigjährigen Krieges, wurde Sieversdorf arg in Mitleidenschaft gezogen. General Gallas wütete im Dorf und unter der Bevölkerung. Das gesamte Kleine-Dorf, und damit auch die Kirche, wurde ein Opfer der Flammen.

 

Heute noch spricht man von Sieversdorf als dem “Hexendorf”. So wurden nachweislich in den Jahren 1620 und 1669 während der überall in Deutschland verbreiteten Hexenverfolgung auch in Sieversdorf Gerichte abgehalten. Sie führten dann ebenfalls zu ihrer  schrecklichen Konsequenz, der Verbrennung. Die Beurkundung einer solchen Tat liegt aber nicht vor und auch der genaue Ort, an dem sich dieses zugetragen haben soll, ist nicht mehr bekannt. Überliefert ist aber als Gegend, der sogenannte Rhinowberg, der sich unweit des heutigen, als “Hexenwäldchen” bekannten Waldgebietes, befunden haben soll.
 
Die höchste Erhebung in Sieversdorf ist der sogenannte Mühlenberg mit 35,6 m ü. NN, gelegen in der Nähe des Sportplatzes. Die Mühle darauf wurde im Jahre 1811 erbaut. Sieversdorf hatte bis zu 4 Windmühlen. Sie sind  1807  und 1859 errichtet worden. Die Mühlenberge wurden dabei  zum Teil von Hand weiter erhöht.
 
Eine Schule wurde im Jahr 1813 in der Straße “Im Zingel” erbaut. Die alte Schule unweit des Pfarrhauses war zu klein und wurde abgerissen. Auf Grund der Bevölkerungsentwicklung im Dorf und der weiten örtlichen Ausdehnung kam 1844 eine Schule im sogenannten “Sand” dazu. Die Bevölkerung sprach von der "Zingelschule" und von der "Sandschule". Bis 1968 wurde in diesen Gebäuden und noch weiteren, auch in Hohenofen gelegenen Anwesen der Schulbetrieb für die Kinder des Ortes bis zur 8. Klasse durchgeführt. Dann wurde auf der großen Fläche, gleich neben der Zingelschule, ein neues Schulgebäude für 8 Schulklassen errichtet. Die dezentralen Schulräume wurden damit aufgegeben. Bis 1999 war Sieversdorf ein eigenständiger Schulstandort mit einer Grundschule.
 
In den Kriegen des 19. Jahrhunderts fiel nur ein Sieversdorfer Soldat. In den verheerenden Kriegen des vergangenen Jahrhunderts, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hingegen waren es bedeutend mehr. An die Gefallenen der Kriege erinnern Tafeln an und in der Kirche, sowie an einem Gedenkort auf dem Friedhof. 1848 wurde in Sieversdorf ein Schützenverein gegründet, der seinen Ursprung der damaligen “Bürgerlichen Revolution” verdankte. Ein Schützenhaus und eine Schießanlage wurden östlich des Ortes in einem Waldstück errichtet. Dieser Ort, der heute oft noch als Kindergartenwald bezeichnet, verdankt seinen Namen der späteren Nutzung des Schützenhauses als Kindergarten. Seit 1996 ist dort eine Filmtierschule eingezogen.

 

Durch den Bau der Brandenburgischen Städtebahn von Treuenbrietzen über Rathenow nach Neustadt (Dosse) hatte Sieversdorf seit 1904 einen eigenständigen Bahnanschluss. Die  Bahn konnte aber ihr 100-jähriges Bestehen nicht begehen. Im Jahre 2003 wurde der Bahnbetrieb eingestellt und seit 2010 ist die Strecke mittlerweile gänzlich abgerissen.